Kurz vor dem Nervenzusammenbruch: Die Geschichte einer Krisensituation

Während der Therapie geschah etwas ausgesprochen nervenaufreibendes: Meine chinesische Mitbewohnerin erlitt einen Nervenzusammenbruch. Sie kritzelte ihr Zimmer mit merkwürdigen Textbotschaften voll, erzählte mir, eventuell würde man sich auf der Arbeit gegen sie verschwören oder sie hätte etwas strafbares getan. Dann bat sie mich darum, etwas „schreckliches zu tun“ – Sex mit ihr zu haben, aber nur, nachdem sie „roten Wein getrunken habe“, um „die Krebsforschung voranzutreiben“.

Nachts lief sie orientierungslos durch die Wohnung, erzählte, sie habe niemanden, der ihr glauben würde, widersprach sich ständig, sagte mal das eine, dann das andere.

Ich war verständlicherweise sehr nervös. Daher rief ich einen Krankenwagen, der sie in die Psychiatrie brachte – doch einige Stunden später war sie dann wieder in der Wohnung und wollte nicht mehr angesprochen werden.

Nachts lief sie durch die Wohnung. Ich lag mit pochendem Herz da und dachte „gleich stürzt sie sich aus dem Fenster, und ich habe nicht auf sie aufgepasst und bin Schuld daran“.

Am nächsten Tag ging es dann wieder in die Psychiatrie. Diesmal besuchte ich sie dort. Der Arzt war ausgesprochen unfreundlich, sprach mit mir, obwohl ich dazu gar nicht berechtigt war als Außenstehender. Dann sagte er: „Für diese Chinesen ist das hier eine riesige Chance, aber einige halten den Druck nicht aus. Sie soll sich das einfach abschminken.

(Der letzte Satz ist ein wörtliches Zitat, der Rest ist sinngemäß wiedergegeben)

„HABEN SIE DIESE ILLUSION??!!! JEMANDEN ZU RETTEN???!!!!!

Scheiße. Ich der einzige Ansprechpartner, und ich bin für sie verantwortlich. Kurz vor dem Nervenzusammenbruch war ich jetzt auch.

Ich sprach dies bei Frau Wolf in der Therapie an. Und plötzlich schreit mich die blöde Alte wüst zusammen!! „HABEN SIE DIESE ILLUSION?!! JEMANDEN ZU RETTEN?!!“

Alter. Mir steigt heute noch der Schock auf, wenn ich mich daran erinnere. Ich, kurz davor, total zusammenzuklappen, völlig am Ende, mache mir noch Gedanken darüber, wie ich meiner Mitbewohnerin am besten helfen kann, und ich werde komplett zusammengeschrien!

Das ist typisch für das Verhalten von „Frau Wolf“. Und eine so große Unverschämtheit, dass mir schlecht wird.

Author: admin

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